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30.08.2006

Adressen tauschen

Früher, in den Achtzigern, war das noch einfach. Es gab kein Internet, kein Handy und keine anderen Computernetze für das Fußvolk. Adressen kannte man entweder oder sie wurden in kleine Büchlein geschrieben. In Zeltlagern soll das teilweise noch erhalten geblieben sein.

Heute haben wir unsere diversen Emailadressen, unsere Handy-, Fax-, ICQ- und Wasauchimmernummern, unsere IP- und MAC-Adressen oder gar einen GUID. Und diese Adressen mal getauscht, mal verborgen werden. Es wird also kompliziert.

Drauf gekommen bin ich auf das Thema, weil ich gerade eine Kontaktdatenbank plane. Mit den politischen Diskussionen um mehr Überwachung erhalten die Austauschformate sicher wieder neue Relevanz.

Inhalt

  • Wie wird ausgetauscht?
  • Formate für den Druck und die Darstellung: Excel, PDF, OpenOffice, Datenbanken
  • Austauschformate: vCard, hCard, XML/RDF, LDIF, CSV
  • Datenschutz
  • Nutzen und Gefahren

Wie wird ausgetauscht?

Der Datenaustausch kann über alle gängigen Computernetze durchgeführt werden. Das bedeutet auch über Funknetze oder Infrarot (zum Beispiel bei Handies).

Was wird ausgetauscht?

Meistens sind das Daten, wie sie in den gängigen Adressbüchern, wie sie auf PCs eingesetzt werden. Eher in Firmen und Vereinen werden auch Tabellenprogramme wie Excel oder OpenOfficeCalc und Datenbankformate verwendet. Dort sind vorwiegend Namen, Emailadressen und Telefonnummern gespeichert. Es können aber auch Daten in frei belegbaren Feldern gespeichert werden. Sicher gibt es in diesen Daten auch diverse persönliche Informationen, die nicht gleich jeder wissen muss.

Immer beliebter werden auch Geo-Daten. Die Positionsbestimmung ist heute anhand von Straße, Ort und Land kein Problem mehr.

Formate für den Druck und die Darstellung

Tabellendaten im Binärformat (Excel, Word, OpenOffice, PDF, Datenbanken)
Diese Formate werden auch im Internet eingesetzt. Das automatische Auslesen und Übertragen solcher Formate wird immer einfacher, besonders seitdem XML im Vormarsch ist.
Sollen die Daten nur einem bestimmten Nutzerkreis zur Verfügung gestellt werden, können sie mit Paßwörtern gesichert werden.

Austauschformate

vCard oder VCF (visiting card file, elektronische Visitenkarte)
vCard ist ein Standard für strukturierte Adressdaten des Internet Mail Consortium (IMC) (RFC 2425, RFC 2426. Das heißt, jedem Eintrag sind vordefinierte Begriffe zugeordnet, mit denen das Programm erkennt, ob es sich um einen Namen, eine Anschrift oder eine Emailadresse handelt. Es können umfangreiche Adressdaten mit einer oder mehreren Adressen ausgetauscht werden. Die aktuelle Version ist vCard 2.1.
Vom W3C gibt es eine XML-Umsetzung mit RDF. Siehe Representing vCard Objects in RDF/XML.
Die Datei wird als einfache Textdatei gespeichert. Lesen können das vCard-Format diverse Programme. Es wird häufig als Emailanhang mitversendet, was nicht immer auf Gegenliebe stößt. Die Emailprogramme geben die Adressdaten nicht formatiert als Fußnote aus. Um eine elektronische Visitenkarte zu betrachten, ist ein Eintrag in das persönliche Adressbuch erforderlich.
vCard wird auch für den Adressabgleich zwischen Computer und Handy und PDA verwendet.
vCards können auch direkt aus dem Internet in ein Adressbuch übertragen werden.
hCard
hCard ist ein sogenannte Microformat. Microformate werden in HTML und XHTML umgesetzt und nutzen vorhandene Elemente. hCard ist eine Umsetzung von vCard in HTML-Code.
Derzeit gibt es noch wenig Software, die hCards erkennt und umsetzen kann. Der Vorteil gegenüber vCard sind die Darstellungsmöglichkeiten. Mit CSS formatiert können Adressdaten ansprechend über HTML ausgegeben werden.
Komma-Separierte Tabellen (CSV)
Dieses Format (auch Tab- oder Semikolon-separiert) kann von Tabelle- und Emailprgrammen gespeichet werden. Im Grunde handelt es sich dabei um eine beliebige Datentabelle ohne Funktionen und Formatierungen.
Um CSV als Austauschformat für Adressen einzusetzen, müssen die Spalten den speziellen Adressfeldern zugewiesen werden. Fehlen in der ersten Zeile die Überschriften, kann das zu Fehlern bei der Übertragung in ein anderes Format führen. Einen Standard für Adresstausch gibt es nicht für dieses Format.
LDIF
LDIF ist ein Standardformat, das für LDAP in Verzeichnisdiensten eingesetzt wird. Im Prinzip also für den Telefonbucheintrag. Mehr dazu unter Was ist LDAP?. Selbst gelesen habe ich es noch nicht ;-)

Datenschutz

Meine Adresse schwirrt inzwischen durch diverse Verzeichnisse, Adressbücher und Listen. Sie ist öffentlich abgreifbar, wie hier aus dem Impressum. Das heißt aber noch lange nicht, dass ich damit die Verwendung für Werbung zulassen. Mißbraucht werden die Adressen aber auf jeden Fall, was die täglichen Spams beweisen.

Nicht jeder will so öffentlich wie ich mit seinen persönlichen Daten umgehen. Das kann verschiedene Gründe haben. Wird mir eine Adresse – ob nun die Postanschrift oder die Emailadresse – übergeben, darf ich sie erstmal nur für den ursprünglichen Zweck, privat oder geschäftlich, gebrauchen. Der Adressinhaber hat einen Anspruch auf Löschung seiner Daten. Das kann ich nicht mehr sicherstellen, wenn die Adresse über diverse Listen und Systeme verteilt oder gar an Dritte weitergegeben wurde.

Wer privat private Adressen mit Dritten tauscht, wird in Einzelfällen vielleicht das Einverständnis des Adressinhabers vorraussetzen. Aber welchen Weg geht die Adresse, wenn sie weitergegeben wurde? Eine kurze Rückfrage sollte da schon drin sein.

Geschäftsadressen dürfen nur mit dem Einverständnis des Adressinhabers weitergeben werden. Ist die Datensammlung nicht die eigene, muss auch der Besitzer der Daten gefragt werden. Schließlich kann eine Adresssammlung einen erheblichen Wert darstellen.

Nutzen und Gefahren

Es ist sicher sinnvoll, wenn Daten sowohl von Computern als auch von Menschen gelesen werden können. Ist eine Datensammlung in einem binären Format abgespeichert, besteht die Gefahr, dass es die Software in ein paar Jahren nicht mehr gibt. Dann können diese Daten nicht mehr oder nur mit viel Aufwand gelesen werden. Hier greifen die Text-Austauschformate CSV und besonders die semantischen Formate vCard, hCard und LDIF.

Das Risiko besteht vor allem darin, dass es besonders einfach ist, solche Daten im Klartext zu mißbrauchen. Bei unbewußtem Einsatz dieser Formate, ohne Prüfung jedes einzelnen Eintrags, werden leicht Daten veröffentlicht, die nicht an die Öffentlichkeit gehören.

Mit dem Einsatz von GUIDs können Datensätze automatisch zwischen verschiedenen Systemen aktualisiert werden. Doch auch wenn eine GUID Arbeit spart, sollte überlegt werden, in welchem Bereich sie eingesetzt wird. Wird diese Kennung gestohlen, können in einem automatischen System fremde Daten untergeschoben werden. Da auch Binärdaten zum Beispiel in vCard eingebettet werden können, öffnet sich da eine Angriffsfläche für Viren und Würmer. Mit der GUID kann auch verfolgt werden, welchen Weg ein Datensatz genommen hat.

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