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13.10.2006

Was sind Weblogs?

Web 2 nennt sich die aktuelle Entwicklung im Internet, die unter dem Motto social networking oder, etwas spitzer formuliert, dem Aal-Prinzip, mehr und mehr die Surfer an den Inhalten mitwirken lässt. Zu Web 2 gehören Foto- und Videoportale (flickr, YouTube), Gemeinschaften (MySpace, Xing (OpenBC)), Wikis (Wikipedia), Foren, Weblogs und vieles mehr.

Weblogs, oder kurz Blogs, sind im Prinzip nichts anderes als aufgeborte Nachrichtenticker. Dieses Grundprinzip macht die Handhabung besonders einfach und die Blogs so beliebt. Die Meldungen werden in zeitlicher Reihenfolge ausgegeben, immer die neueste Meldung zuerst. Damit ist schon mal die erste Hürde bewältigt, die Navigation.

Ausser dem Eintippen von Titeln und Texten ist alles andere kein Muss. Es können Beiträge mit Kategorien und Tags (Schlagwörtern) sortiert werden, es kann HTML eingegeben werden, es können Bilder, Videos, Audiodateien und viele mehr verwendet werden, es können Besucherkommentare angeboten werden. Einen großen Teil der Aufgaben erledigt aber schon die Software, angefangen mit vielen attraktiven Layouts bis zur Verbreitung der Einträge im WWW. Betreiber eines Blogs können mit geringem Vorwissen einsteigen, haben die Chance, relativ schnell erfolgreich zu sein und haben nahezu unbegrenzte Ausbaumöglichkeiten.

Blogszene

Blogs leben von ihren Verfassern, von der Authentizität der Inhalte, von Realitätsnähe und Echtheit.

agenturblog

Blogs sind inzwischen mächtig geworden. Sie können Karrieren schaffen, aber auch Karrieren zerstören. Sie bieten schnelle Information, da sie keiner Redaktion verpflichtet sind. Und sie berichten direkt, vor Ort, aus einer persönlichen Sicht. Der große Teil der geschätzten 70 Millionen Blogs weltweit (Heise, Oktober 2006) wird wohl kaum jemals etwas bewegen. Viele Blogs beschäftigen sich mit der Party am letzten Wochenende, dem Urlaub oder schlicht mit dem, was sie an Unterhaltsamen im Web 2 aufgegriffen haben (was mich bei der Recherche wieder ordendlich aufgehalten hat). Passiert aber etwas vor ihrer Haustür, sind sie die ersten, die berichten. Die Info wird dann weitergeletet, kommentiert und ergänzt.

Die rechtliche Lage

Die Meinungsfreiheit hat besonders unter Bloggern einen hohen Stellenwert. Sie kann aber auch falsch ausgelegt werden. Unwahrheiten, Beleidigungen und die Verletzung von Persönlichkeitsrechten gehören nicht dazu. Alle Inhalte, ob Texte, Bilder, Audio und Video, unterliegen dem Urheberrecht. Dabei kann auch das Motiv eine Rolle spielen. Ist keine Lizenz angegeben, die ausdrücklich die Verwendung erlaubt, dürfen diese Materialien nicht verwendet werden.

Wichtig ist auch ein Impressum, das einen Verantwortlichen für den Internetauftritt, dessen Anschrift, Telefonnummer und Emailadresse enthalten muss.

Die Technik von Weblogs

Die meiste Blogsoftware wird direkt im Internet angeboten. Es genügt eine kurze Anmeldung, dann kann losgelegt werden – ohne zusätzliche Software installieren zu müssen. Etwas mehr Möglichkeiten haben die Blogbetreiber, wenn sie sich ein Softwarepaket – kostenlos – im Internet holen und auf einem eigenen Webserver installieren.

Wird ein Eintrag veröffentlicht, wird er nicht nur auf der Internetseite angezeigt. Die Software schickt eine Meldung an einen Pingservice, der die Veröffentlichung an Verzeichnisse und Suchmaschinen weitergibt (technorati, google Blogsuche). Und die Besucher können sich über einen feed, das ist eine Inhaltzusammenfassung in Kurzform (RSS, ATOM), informieren.

Ein weiterer wichtiger Bestandteil von Blogs ist die Kommentarfunktion. Filter stellen sicher, dass keine unerwünschte Werbung in den Kommentaren erscheint. Die Filter können zum Teil auch mit eigenen Begriffen erweitert werden. Neben den direkten Kommentaren der Besucher können andere Blogs einen Kommentar als Verweis ablegen (Pingbacks, Trackbacks). Das schafft eine hohe Vernetzung und ist ein wichtiges Element am Erfolg der Bloggemeinschaft.

Eine weitere Ergänzung ist auch die Blogroll, eine Linkliste mit anderen Blogs. Diverse Zusatzmodule bieten ausserdem Abstimmungen, Gallerien und andere Erweiterungen.

Unterarten

Podcast
Podcast werden Blogs genannt, wenn sie Audio- und Videodateien anbieten. Es gibt Blogs, die sich darauf spezialisiert haben, oder die Medien werden in zwischen Texte gestreut. In letzter Zeit ist es beliebt geworden, Blogs mit interessanten und witzigen Videos aufzulockern, aber es gibt auch eine Reihe von selbst produzierten Podcasts.
Corporates Blogs
Unter Corporated Blogs werden Weblogs verstanden, die zu einer Firma gehören. Es gibt verschiedene Ausrichtungen, mehr dazu in Wikipedia.

Links

Zum Thema Weblogs

Ein Tipp: Fragen Sie bloß niemanden, was denn eigentlich ein Weblog sei. Die Chancen stehen gut, dass Sie aus der Antwort auch nicht schlauer werden. Denn entweder Sie fragen jemanden, der den Begriff noch nie gehört hat und das auch freimütig zugibt, oder Sie fragen jemanden, der selber eins betreibt. Und das ist noch schlimmer.

Konstantin Klein, Deutsche Welle

Recht und Weblogs

Blogservices: Sozialdemokratische Angebote

Zur letzten Bundestags haben die Websozis den Blogservice Notizblogg eingerichtet, der für Sozialdemkraten kostenlos und werbefrei ist. Dabei gibt es keine Pflicht, SPD-Logos auf die Seite zu setzen oder ständig die SPD zu loben. Etwa zur gleichen Zeit gingen auch die Roten Blogs als Angebot der Bundes-SPD online. Die Angebote wurden gut angenommen, und es gibt noch eine Reihe von Bloggern, die weitehin aktiv sind. Zuwachs können wir aber immer noch gebrauchen.

Blogservices für Alle

Liste der Weblog-Anbieter im Plasticthinking-Wiki.

Blogsoftware

Liste der Weblog-Software im Plasticthinking-Wiki.

Praxis: Weblogs von Sozis

Diese Liste hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Sie soll nur exemplarisch zeigen, was machbar ist. Weitere Beispiele sind hier und auf den Seiten verlinkt.

Anwender-Infos

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1 Kommentar

Conny vom 2006.10.14 , 07:40 Uhr

Vielen Dank für diese ausführliche Zusammenfassung zum “Blogwesen”! Als die Blogs vor einigen Jahren aufkamen, dachte ich nur “So ein Schmarrn” und habe mich nicht weiter drum gekümmert. Inzwischen sind die Blogs aber nicht mehr wegzudenken aus dem WWW – auch wenn, wie du ja schon angedeutet hast, wahrscheinlich 90 % aus überflüssigen Dampfplaudereien bestehen, die man getrost nicht lesen kann. :D
In einer Juli-”Spiegel”-Ausgabe war auch ein interessanter Titel-Artikel (”Ich im Internet – wie sich die Menschheit online entblößt”), der sich mit der Blogszene und auch dem immer mehr grassierenden Aal-Prinzip beschäftigt. (Den Ausdruck kannte ich noch nicht, finde ihn genial!).